Cupping

Hilft Schröpfen wirklich dabei, deine Gesundheit und Fitness zu verbessern? Alles Wissenswerte

Sehen wir es ein, wir leiden alle von Zeit zu Zeit unter Schmerzen. Vielleicht spürst du ein Ziehen im Rücken, wenn du Gewichte hebst, oder beschwerst dich ständig über Schmerzen in der Hüfte, obwohl du bei deinem Marc Dressen Training genauestens darauf achtest, die Bewegungsabläufe richtig zu machen.

Manchmal fühlen wir uns einfach unwohl, ohne genau zu wissen, warum. Wahrscheinlich hast du auch schon alles Erdenkliche getan, um das Unwohlsein loszuwerden, hast dich gedehnt und eine Faszien-Rolle benutzt. Bleiben die Schmerzen jedoch bestehen, könnte man auf den Gedanken kommen, zu etwas “unorthodoxeren” Methoden zugreifen.

Es spricht natürlich nichts dagegen, natürliche Schmerzmittel auszuprobieren, solange man weiß, dass sie sicher sind. Problematisch wird es erst, wenn man damit beginnt, Dinge aus dem Internet auszuprobieren, für die es keine sicheren Beweise gibt, ob sie überhaupt funktionieren.

Sehen wir es uns an …

In der letzten Zeit hört man wirklich viel über das Schröpfen. Schließlich wird sogar behauptet, dass Michael Phelps die Schröpftherapie anwendet, um sich von seinem äußerst anspruchsvollen Trainingsplan zu erholen – und wenn es für einen Olympiateilnehmer gut genug ist, dann ist es ganz sicher auch gut genug für dich – richtig?

Tja, in Wahrheit ist das Schröpfen wahrscheinlich weder deine Zeit noch dein Geld wert. Wir betrachten uns hier einmal, was eigentlich hinter der Schröpftherapie steckt und zeigen, warum die dadurch erzielten Resultate wahrscheinlich nicht mehr sind, als ein Placeboeffekt.

Fangen wir also an.

Was ist das überhaupt, eine Schröpftherapie?

Während der Schröpftherapie werden auf deinem Körper mehrere kleine Gläser verteilt, in denen mithilfe einer Pumpe ein Unterdruck erzeugt wird, sodass deine Haut in das Glas gesaugt wird. Es gibt mehrere verschiedene Arten der Schröpftherapie, darunter unter anderem:

  • Das trockene Schröpfen die am weitesten verbreitete Form der Schröpftherapie, bei der mit einer elektrischen oder manuellen Pumpe ein Unterdruck erzeugt wird.
  • Bei der klassischen Variante wird im Inneren des Glases ein Feuer erzeugt, bevor der Schröpfkopf auf die Haut gesetzt wird. Wenn die heiße Luft dann abkühlt, wird ein Unterdruck erzeugt und die Haut ins Glas gesaugt.
  • Das Nassschröpfen ist eine besonders alte Methode der Schröpftherapie, bei der kleine Schnitte in die Haut gemacht werden, bevor man die Schröpfköpfe aufsetzt. Dadurch wird Blut aus dem Körper gezogen. Diese Form des Schröpfens ist am gefährlichsten.

Warum sollte man also überhaupt ans Schröpfen denken, wenn man nach einem Hilfsmittel sucht, um seine Ziele zu erreichen? Die grundlegende Idee dahinter ist, dass die Schröpftherapie dabei hilft, Muskelschmerzen zu reduzieren, die Regenerationsphase nach dem Training zu verkürzen und insgesamt zum Wohlbefinden beizutragen.

In der Theorie soll das Schröpfen Giftstoffe durch die Haut aus dem Körper ziehen. Und je weniger Giftstoffe sich in deinem Körper befinden, umso besser kannst du als Person funktionieren. Aber funktioniert es auch?

Wie effektiv ist die Schröpftherapie?

Wenn man sich einmal genauer damit beschäftigt, stellt man fest, dass es nur wenig wissenschaftliche Studien gibt, die sich mit den Effekten der Schröpftherapie beschäftigen. Eine kürzlich erfolgte Studie, die im Journal für beweisgestützte alternative und komplementäre Medizin 2016 veröffentlicht wurde, wird oft als Beleg für die Wirksamkeit des Schröpfens angeführt. Dort wurden sechzig Teilnehmer, die an Nackenschmerzen litten, in zwei Gruppen eingeteilt.

Die eine Hälfte der Teilnehmer wurde mit der Schröpftherapie behandelt, wohingegen die andere Hälfte keinerlei Behandlung erfuhr. Die Gruppe, die die Schröpftherapie bekam, berichtete anschließend, weniger Schmerzen zu haben als die Kontrollgruppe. Das nahmen die Forscher also als Beleg dafür, dass das Schröpfen tatsächlich funktioniert. Allerdings wurde die Studie einfachblind durchgeführt, das heißt, die Forscher wussten, wer die Behandlung erhält. Es könnte aufgrund dieser Tatsache also sein, dass die Ergebnisse verfälscht sind.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass Schmerzpatienten, die versuchen, etwas gegen ihre Schmerzen zu unternehmen, sich generell besser fühlen, als diejenigen, die ihre Schmerzen schweigend erdulden. Dabei handelt es sich aber um einen Placeboeffekt. Es ist nämlich so, je mehr man sich mit der Forschung im Bereich Schröpftherapie beschäftigt, umso mehr Ungereimtheiten findet man. Die existierenden Studien sind meist nicht ausreichend kontrolliert. Erschwerend kommt noch hinzu, dass nur von einer geringen und sehr kurzzeitigen Verbesserung der Schmerzen, ohne weitere positive Effekte, berichtet wird.

Wenn man sich in die zur Verfügung stehende Literatur einliest, stellt man nämlich fest, dass es nur eine einzige randomisierte kontrollierte Studie über die Wirksamkeit der Schröpftherapie gibt, und die belegt, dass Menschen mit Schmerzen im unteren Rücken keinerlei Verbesserung zu berichten hatten.

Wo liegt das Problem bei der Schröpftherapie?

Das Fehlen jeglicher Beweise für die Wirksamkeit der Schröpftherapie kommt jedoch nicht überraschend, wenn man all die zweifelhaften Hypothesen darüber mit einbezieht, wie diese Therapie überhaupt wirken soll. Letztendlich deuten alle wissenschaftlichen Belege darauf hin, dass es sich dabei um eine nicht wirksame Therapiemethode handelt, die keinerlei Nutzen bringt. Allerdings muss man dazu sagen, dass Sportler heutzutage dazu bereit sind, fast alles zu tun, um ihre Leistungen zu verbessern.

Dort draußen gibt es immer noch unzählige Sportler, die sich auf magnetische Armbänder, Akupunktur und andere Formen der Regeneration, für die es keinerlei wissenschaftliche Beweise gibt, verlassen. Tatsächlich verlassen sie sich selbst dann auf diese Methoden, wenn wissenschaftliche Beweise klar aufzeigen, dass keinerlei Vorteile zu erwarten sind.

Das trockene Schröpfen ist normalerweise sicher, wenn es ordentlich durchgeführt wird, kann aber zur Bildung von Hämatomen führen, so das es völliger Unsinn wäre, es eine natürliche und sichere Methode zur Bekämpfung von Rückenschmerzen zu nennen. Die Anwendung von Feuer während des Schröpfens kann ebenfalls gefährlich sein, da zu heiße Schröpfköpfe zu Verbrennungen führen können. Man sollte die Finger ganz vom Nassschröpfen lassen, da diese Methode bei Weitem die gefährlichste ist, da sie im Prinzip nichts weiter ist als eine Form des Aderlasses.

Nassschröpfen kann zu Infektionen und Narbenbildung führen.

Der Schlussgedanke zum Thema Schröpftherapie

Letztendlich bleibt nur zu sagen, dass es das Schröpfen schon sehr lange gibt – mehrere Jahrhunderte lang, um genau zu sein. Es erfreut sich seit Neuestem wachsender Beliebtheit, weil viele berühmte Persönlichkeiten darauf schwören. Allerdings zeigen alle Studien, die es zu diesem Thema gibt, dass es keinerlei Beweise für die Wirksamkeit der Schröpftherapie gibt und es sich dabei tatsächlich um Humbug handelt.

Wenn Du auf der Suche nach einer effektiven, natürlichen Form der Schmerzbekämpfung bist, solltest du es mit Yoga probieren oder dich massieren lassen. Selbst mit Krafttraining erzielt man bessere Resultate als mit der Schröpftherapie.

Marc Dressen
Personal Trainer London

Read the English article: Does Cupping really work for Health and Fitness?